Vom Angestelltenverhältnis in die Selbstständigkei: Warum der größte Schritt im Kopf beginnt
In der Gründungsberatung erleben wir häufig Menschen, die mit großer Begeisterung von ihrer Geschäftsidee erzählen.
Sie haben ein Produkt entwickelt, eine Dienstleistung perfektioniert oder eine Vision davon, wie sie Kundinnen und Kunden begeistern möchten. Die Entscheidung zu gründen ist oft bereits gefallen.
Und trotzdem zeigt sich im Gespräch schnell ein entscheidender Punkt:
Viele denken beim Gründen vor allem an das, was sie gerne tun – aber viel weniger an das, was Unternehmertum tatsächlich bedeutet.
Denn zwischen „Ich mache etwas gerne“ und „Ich betreibe ein Unternehmen“ liegt ein großer Unterschied.
Der Rollenwechsel: Vom Fachmenschen zum Unternehmer, zur Unternehmerin
Ein häufiger Denkfehler bei Gründungen aus dem Angestelltenverhältnis ist dieser:
Menschen glauben, sie würden in der Selbstständigkeit einfach mehr von dem tun, was sie ohnehin gut können.
In der Realität passiert oft das Gegenteil.
Als Gründerin oder Gründer verbringt man einen großen Teil der Zeit nicht mit der eigentlichen Leistungserbringung, sondern mit:
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Kundengewinnung
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Angebotserstellung
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Preisgestaltung
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Marketing und Sichtbarkeit
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Organisation und Administration
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Buchhaltung und Finanzen
Mit anderen Worten: Man wird nicht nur Ausführende*r, sondern vor allem Unternehmer*in.
Und genau dieser Rollenwechsel wird häufig unterschätzt.
Fünf typische Denkfehler von Menschen, die aus dem Angestelltenverhältnis gründen
1. „Wenn mein Produkt gut ist, kommen die Kunden von allein.“
Viele Gründerinnen und Gründer konzentrieren sich stark auf die Qualität ihrer Leistung – und das ist grundsätzlich richtig.
Doch selbst die beste Dienstleistung oder das beste Produkt verkauft sich nicht automatisch. Unternehmen brauchen Sichtbarkeit, Vertrieb und klare Kommunikation.
Kundinnen und Kunden müssen zuerst erfahren, dass es ein Angebot überhaupt gibt.
2. „Ich möchte einfach das machen, was mir Spaß macht.“
Leidenschaft ist ein guter Startpunkt – aber sie ersetzt kein Geschäftsmodell.
Unternehmertum bedeutet nicht nur, das zu tun, was man gerne macht. Es bedeutet auch, Aufgaben zu übernehmen, die weniger Spaß machen: Kalkulation, Organisation, Strategie oder Administration.
Viele erfolgreiche Gründerinnen und Gründer verbringen deutlich weniger Zeit mit der eigentlichen Leistung als sie ursprünglich geplant hatten.
3. „Ich bin fachlich gut – also kann ich auch ein Unternehmen führen.“
Fachliche Kompetenz ist wichtig, aber Unternehmertum ist eine ganz eigene Disziplin.
Ein Unternehmen zu führen bedeutet zum Beispiel:
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wirtschaftlich zu denken
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Entscheidungen zu treffen
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Risiken abzuwägen
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Verantwortung für Einnahmen und Ausgaben zu übernehmen
Diese Fähigkeiten kommt oft erst mit der Zeit.
4. „Selbstständigkeit bedeutet mehr Freiheit.“
Ja – aber Freiheit bedeutet im Unternehmertum oft auch mehr Verantwortung.
Gerade in der Anfangsphase bestimmen häufig Kundentermine, Projekte oder wirtschaftliche Anforderungen den Alltag stärker als zuvor ein Arbeitgeber.
Selbstständigkeit kann dir sehr viel geben – aber sie ist selten der einfache Weg.
5. „Das wird sich schon irgendwie entwickeln.“
Ein Unternehmen entsteht nicht zufällig.
Auch wenn viele Dinge unterwegs gelernt werden, braucht es ein Mindestmaß an Planung:
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Wer sind meine Kundinnen und Kunden?
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Welchen konkreten Nutzen biete ich ihnen?
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Welche Preise sind wirtschaftlich tragfähig?
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Wie gewinne ich regelmäßig neue Aufträge?
Wer sich diese Fragen früh stellt, erhöht die Chancen auf eine stabile Selbstständigkeit..
Unternehmertum bedeutet Verantwortung
Unternehmerisches Denken bedeutet vor allem eines: Verantwortung zu übernehmen.
Nicht nur für die Qualität der eigenen Arbeit – sondern für das gesamte System dahinter.
Zum Beispiel:
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Wie viele Aufträge brauche ich, damit mein Geschäftsmodell funktioniert?
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Wie kalkuliere ich Preise wirtschaftlich?
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Wie entwickle ich mein Angebot weiter?
Diese Fragen entscheiden langfristig über den Erfolg eines Unternehmens – nicht nur die Qualität der eigentlichen Leistung.
Ein besonderer Blick auf Frauen in der Gründung
In unseren Beratungen zeigt sich außerdem, dass gerade Frauen, die aus einem Angestelltenverhältnis heraus gründen möchten – insbesondere wenn Familie oder Care-Arbeit eine Rolle spielen – häufig zusätzliche Aspekte in ihrem Vorhaben und ihrem Mindset berücksichtigen müssen.
Dazu gehören zum Beispiel Fragen der zeitlichen Gestaltung, wirtschaftlichen Sicherheit oder Rollenverteilung im privaten Umfeld. Zu diesem Thema werden wir demnächste einen Gast-Beitrag veröffentlichen, wo wir noch einmal ausführlicher darauf eingehen.
Warum Gründungsberatung genau hier ansetzt
In der Gründerschmiede Remscheid begleiten wir Menschen auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit – uns geht es dabei nicht nur um Businesspläne oder Förderprogramme, denn ein zentraler Teil der Beratung ist auch der Perspektivwechsel: vom Fachmenschen
hin zum Unternehmer oder zur Unternehmerin.
Denn – eine gute Idee ist wichtig aber langfristig erfolgreich wird ein Unternehmen erst dann, wenn Menschen bereit sind, auch die unternehmerische Rolle anzunehmen.
Gerne helfen wir dir bei diesem Perspektivwechsel mit unserer Gründerberatung – sende uns einfach eine Mail und mache einen Termin mit uns aus.
